Bedeutung l Erkenntnisse l Perspektiven

So lautete eine Veranstaltung am 5. Mai in Berlin, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Kooperation mit dem Bundesminsteriums für Arbeit und Soziales, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände als auch dem Deutschen Gewerkschaftsbund ausgerichtet wurde.

Hintergrund ist folgender:
Vor vier Jahren haben sich die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen einer "Gemeinsamen Erklärung zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt" zum Ziel gesetzt, zusammen dazu beizutragen, psychischen Erkrankungen vorzubeugen und die erfolgreiche Wiedereingliederung von psychisch erkrankten Beschäftigten zu verbessern.

Das BMAS hat in der Folge die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) mit dem Projekt"Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Wissenschaftliche Standortbestimmung“ beauftragt, um eine fundierte Übersicht über psychische Belastungsfaktoren in der Arbeitswelt zu erarbeiten.
Die Veröffentlichung der Ergebnisse der BAuA-Studie war nun der Anlass, die gemeinsamen Anstrengungen zur Förderung der Gesundheit in der Arbeitswelt zu bilanzieren und zu überprüfen, so hieß es in der Einladung.

Der Tag selbst:
In der Begrüßungsrede von Alexander Gunkel (BDA, Mitglied der Hauptgeschäftsführung) stellte er klar, dass die psychischen Erkrankungen nicht zugenommen hätten, sondern nur viel häufiger solche Diagnosen gestellt werden. Das belegen Studien.

Die Eröffnungsworte von Annelie Buntenbach (DGB, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstands) waren dann schon konkreter: es entstehe ein gesamtwirtschaftlicher Schaden von jährlich 100 Mio € aufgrund Frühberentungen. 40% davon seien auf psychische Erkrankungen zurückzuführen, Tendenz steigend. Frau Buntenbach plädierte dafür die "Entgrenzung der Arbeit zu stoppen". Arbeit heiße: "Anerkennung, Kreativität, Sinnstiftung, Freiheit..." Zudem sei eine Antistress-VO zum Schutz vor psychischer Erkrankung und mehr psychischer Gesundheit nötig.

Frau Ministerin Andrea Nahles nahm eine arbeits(schutz)- und sozialpolitische Bewertung des Erreichten vor und gab einen Ausblick auf weitere Schritte.

Ministerin Andrea Nahles So führte Sie aus, dass Psyche Lebenskraft und Gemüt ist. Ob die Psyche erkranke liege nicht nur an dem Umfeld, sondern auch an der Veranlagung.
Es sei egal, ob psychische Erkrankungen mehr oder häufiger diagnostiziert werden. Es gelte zu handeln!

Ihre Kernaussagen waren:

  • Mitarbeiter sollten mit der Digitalisierung gehen können -> deren Ängste sollten genommen werden, lebenslanges Lernen sei erforderlich
  • Arbeiten 4.0 brauche Arbeitsschutz 4.0
  • prozess- und beteiligungsorientierte Lösungen seien gefragt
  • Ziel kann es nicht sein, nur Checklisten abzuhaken!
    • Es sind wirksame Maßnahmen zur Vermeidung der Gefährdung zu ergreifen
  • psychisch Erkrankte benötigen Unterstützung
    • Dazu bedürfe es einem betrieblichem Eingliederungsmanagement (BEM), dass auch von den Beschäftigten angenommen wird
    • Dazu seien Angebote für Psychotherapie notwendig

Abschließend führte Frau Nahles an, dass digitale Arbeit gleichzusetzen sei mit guter und gesunder Arbeit.

Isabel Rothe, die Präsidentin der BAuA, stellte sodann die Projektergebnisse vor.

Isabel Rothe

Hier der Vortrag als Fotomitschnitt:

 

Danach folgten Diskussionen mit Interessenvertretern und Wissenschaftlern über die Weiterentwicklung des Themas „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ - Wissenschaft und Praxis - im sozialpartnerschaftlichen Kontext.

Ein interessanter Tag der zeigte, dass Wissenschaft und Praxis nicht weit auseinanderliegen und dass das Thema allen Beteiligten wichtig ist.
Wie ist nun die psychische Gesundheit in der Arbeitswelt zu gewährleisten? Wie können die Gefährdungen diesbezüglich reduziert werden?
Darüber herrscht noch keine Einigkeit. Braucht es tatsächlich eine Antistress-VO oder regelt es der gesunde Menschenverstand? Wir werden sehen...

Für mich ist digitale Arbeit und Arbeit 4.0 allerdings keine gute, sondern eine erfüllende und gesunde Arbeit!
Die Mitarbeiter von heute wollen beteiligt werden, sich einbringen und nicht nur Knöpfe drücken.

Autor: Petra Zander